Impulsreferat an der UNI Hamburg: MENTORING

23.6.2008 – Auftaktveranstaltung für MentorInnen des Mentoring-Programms ATHENE für Doktorandinnen, Habilitandinnen und Juniorprofessorinnen der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

Impulsreferat von Heike Hein

Ich erzähle heute nicht was Mentoring generell ist, wie es funktioniert etc. pp. Ich rede auch nicht darüber, warum Mentoring Projekte für Frauen – immer noch – so enorm wichtig sind. Ich könnte Sie mit Zahlenmaterial auf das Thema einstimmen, nein erschlagen. Ich möchte Ihnen heute vielmehr von meinen persönlichen Erfahrungen berichten.

Kurz zu mir:
Ich heiße Heike Hein und wohne in Lüneburg. Seit 10 Jahren arbeite ich als selbstständige Trainerin und Business-Coach. Davor war ich viele Jahre als Geschäftsführerin im In- und Ausland beschäftigt. Kenne mich also aus mit ‚Führungsverantwortung’. Seit einigen Jahren engagiere ich mich als Mentorin in verschiedenen Projekten. Die Bundesregierung hat das Portal frauenmachenkarriere.de initiiert. Dieses Tool ist zurzeit wegen Überarbeitung der Seite offline gegangen. Dort konnten bis vor kurzem an Mentoring interessierte Frauen Kontakt zu gelisteten Mentorinnen aufnehmen. Die Tandems waren auf sich gestellt, während sie in anderen Programmen- ATHENE – begleitet werden. Und da sind wir schon mitten im Thema.
Ich möchte 3 Aspekte aufgreifen:

  • Was habe ICH als Mentor/in für einen Benefit?
  • Die Rahmenbedingungen im Mentoring
  • Wie kann ich die einzelnen Gespräche gestalten?

Was habe ICH als Mentor/in für einen Benefit?

Warum sollte ich das überhaupt tun? Immerhin ist es meine freie Zeit, die ich ‚opfere’, da will ich doch auch wissen wofür ich das tue. Und ich frage mich auch nach meiner Erwartungshaltung…die hat ja Auswirkungen, direkt oder indirekt…

Zwei Punkte waren für mich persönlich ausschlaggebend:

  • Eine Mentoringbeziehung verbessert den Kontakt zu jüngeren Mitarbeitern (Einblicke und Perspektiven der Mentee kennen lernen)
  • Ich kann meinen eigenen Werdegang reflektieren – Im besten Fall – je offener ich bin – gewinne ich wertvolle Einsichten über mich – für mich ist das auch ein Instrument der persönlichen Weiterentwicklung!!

In Untersuchungen von Mentoring Projekten in Schweden, Finnland und Deutschland wurde im Vergleich festgestellt, dass die skandinavischen MentorInnen viel offener mit Ihrer Erwartungshaltung umgegangen sind, diese auch kommuniziert haben und demzufolge auch insgesamt persönlich mehr profitierten. Die deutschen MentorInnen sehen das laut Befragung nicht als ‚persönlichen Gewinn, ’eher als ‚lehrende’ Perspektive, als ‚gebenden’ Anteil. Welch ein Unterschied!

Ich möchte Sie ermutigen, Ihren persönlichen Benefit a la Skandinavien zu suchen und sich mit Ihrer ganz persönlichen Erwartungshaltung auseinander zu setzen – Ihre Komfortzone zu verlassen – und in wirkliche Kommunikation zu Ihrer Mentee zu treten. Ich habe z.B. in meinen Gesprächen zum Abschluss immer eine Feed Back Situation herbeigeführt und ganz deutlich zurück gemeldet, was ICH heute gelernt habe, was mir positiv aufgefallen ist, wo der AHA Effekt war. Jedes Tandem kreiert eigene für sie gültige Rahmenbedingungen, das könnte z.B. eine sein.

Womit ich bei den Rahmenbedingungen bin
Aus praktischer Erfahrung versichere ich Ihnen: es ist unerlässlich, diese mit Ihrer Mentee gleich am Anfang zu erarbeiten, bzw. zu besprechen. Es geht um folgendes:

  • Wo treffen wir uns, wie lange und wie oft? Ich erwarte, dass die Mentee zu mir kommt, max Dauer 2 Std., max 1x im Monat
  • Wer kontaktet wen? Wie? Ich z.B. erwarte als Mentorin, dass sich die Mentee selbstständig meldet und das bitte per E-Mail
  • Verschwiegenheit und Ehrlichkeit = Vertrauen, ich erwarte Verschwiegenheit/ Diskretion und Ehrlichkeit, sonst ‚geht gar nix’
  • Worüber reden wir? Ich erwarte, dass die Mentee initiativ ist und die Themen aktiv und selbstständig einbringt. Klammern wir privates aus? Meist starten die Gespräche ‚beruflich’ und schnell werden auch die ‚privaten’ Aspekte relevant (lt Umfragen 70% zu 30%).
  • Was will ich gar nicht? Ich will keine ‚Bedienmentalität’ der Mentee – kein ‘Konsumverhalten’
  • Was will ich auf jeden Fall? Ich möchte ein Ziel erreichen, dieses gilt es zu finden: das individuelle ZIEL der Mentee, welches wir dann strategisch verfolgen und die Erreichung überprüfen, am liebsten ein Ziel von Termin zu Termin. Außerdem erwarte ich Veränderungsbereitschaft und Ernsthaftigkeit, sowie einen respektvollen Umgang.

Jetzt sind wir schon bei den Details der einzelnen Gespräche, wie sollen diese gestaltet sein?

Beginn – Aufwärmphase
Anschluss an das letzte Mal suchen, was ist inzwischen passiert – wo steht die Mentee jetzt
Konkrete Fragen
die Mentee stellt die ‚heutigen’ Fragen/ Problematiken vor
Austausch
genau nachfragen, Details erfassen, analysieren, durch die ‚richtigen’ Fragen kann hier schon eine Menge passieren, nicht gleich Ratschläge (Rat SCHläge) geben, Perspektive verändern unter dem Motto: ‘was würde XY dazu sagen?’
Lösungsversuche
gemeinsame Suche nach Lösung(en), Einengung vermeiden, die Mentee findet IHRE Lösung
Abschluss
Zielsetzung bis zum nächsten Termin definieren, Protokoll durch die Mentee und Feed Back des heutigen Gesprächs

Mentoring und Netzwerken sind Stufen auf der Karriereleiter – ganz kurz zu Netzwerken:

Der B.F.B.M. der Bundesverband der Frau in Business und Management ist Kooperationspartner des ATHENE Projekts – auch deshalb stehe ich hier:
In meiner Funktion als Vorstandsmitglied der Regionalgruppe Hamburg. Jeden 2ten Mittwoch im Monat laden wir zu einem ‚öffentlichen Abend’ ein. Sie hören interessante Vorträge und können danach ausgiebig netzwerken.
Ich habe meine Mentees immer auch in meine Netzwerke mitgenommen.

Abschließend, fragen Sie sich bitte:
in welcher Funktion sehe ich mich als Mentor/in in unserer Mentoring-Beziehung? Interessiert an persönlicher Weiterentwicklung, eher als Partnerin der Mentee oder eher als Lehrende, die Kompetenzen vermittelt? Anders gefragt: eher als Skandinavier/in oder als Deutsche/r oder gar ganz anders?

Ich schließe mit einem meiner Lieblingszitate, dieses ist von Francois Girond:
„ Erst wenn eines Tages eine inkompetente Frau Vorsitzende eines Konzerns wird, können wir wirklich von Gleichberechtigung sprechen“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

www.wiso.uni-hamburg.de/athene

www.bfbm.de

www.frauenmachenkarriere.de

Datum: Dienstag, 24. Juni 2008 18:28
Themengebiet: Coaching/ Mentoring Trackback: Trackback-URL
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