Mit Vorbildern zum Erfolg
Mentoring eröffnet neue Wege im Berufsleben – Programme fördern den weiblichen Führungsnachwuchs
–Von ddp-Korrespondentin Maria Hilt– Berlin/Lüneburg (ddp).
Manchmal scheint ein berufliches Ziel unerreichbar. So sehr man sich auch bemüht, befördert zu werden, ein spannendes Projekt zu bekommen oder mehr Zeit für die Familie zu haben – es klappt nicht. In solchen Situationen kann es hilfreich sein, einige Tricks von jemandem zu lernen, der seine Erfolge bereits gesammelt hat.
Beim Mentoring soll genau das ermöglicht werden. Die Idee: Menschen mit Erfahrung, beispielsweise Führungskräfte, stehen denjenigen als Mentoren zur Seite, die ihren beruflichen Weg noch vor sich haben. Diese sogenannten Mentees können eine Zeit lang intensiv von ihren Vorbildern lernen, wie man seine Ziele erreicht.
“In den letzten Jahren hat sich Mentoring vor allem als Fördermethode für Frauen manifestiert”, sagt Kathrin Mahler Walther, stellvertretende Geschäftsführerin der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin. Frauen hätten oft keine beruflichen Vorbilder. Es sei für sie daher besonders wichtig, Kontakt zu anderen erfolgreichen Frauen zu bekommen. “Viele Mentorinnen hatten es bei ihrem beruflichen Aufstieg selbst schwer. Sie haben den Wunsch, ihre Erfahrungen weiterzugeben und den nachfolgenden Frauen so den Weg zu erleichtern”, erklärt die Sozialwissenschaftlerin.
Mentoring wirkt auf verschiedenen Ebenen. “Zum einen erhält man durch den engen Kontakt mit seiner Mentorin eine intensive persönliche Förderung. Andererseits eröffnet die Betreuerin ihrem Schützling auch ihr Netzwerk”, sagt Mahler Walther. Außerdem entstünden oft auch unter den Mentees und Mentorinnen starke Netzwerke für den weiteren Berufsweg.
So eine intensive Einzelbetreuung kann in verschiedenen Lebensphasen hilfreich sein. “Manche profitieren am Anfang ihres Studiums von so einer Unterstützung, andere lassen sich beim Berufseinstieg oder nach den ersten drei bis fünf Jahren im Job eine Zeit lang begleiten”, berichtet Mahler Walther. Dabei geht es nicht immer nur um den beruflichen Aufstieg der Mentee. “Viele Frauen suchen während des Mentorings auch nach Lösungen, wie sie ihren Job und ihre persönlichen Lebensziele miteinander vereinbaren können.”
“Die Mentorin ist ein Vorbild für ihre Mentee. Sie gibt Impulse und hilft ihr bei Schwierigkeiten weiter”, erklärt Heike Hein, Business Coach mit Führungserfahrung und ehrenamtliche Mentorin aus Lüneburg. Wenn man an einem Mentoring teilnehme, sollte man allerdings wirklich bereit sein, sich zu verändern. Wer nur Bestätigung suche, könne von den Erfahrungen der Mentorin nicht profitieren.
“Die Mentee ist immer der Motor in der Beziehung. Sie muss sehr viel Eigenverantwortung zeigen und sich selbst darum kümmern, dass sie ihre Ziele voranbringt”, bestätigt Kathrin Mahler Walther. Man dürfe nicht erwarten, dass man von seiner Mentorin an die Hand genommen werde und sie einem bestenfalls gleich ein Jobangebot mache.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Mentor zu finden. “Manchmal gibt es in der eigenen Firma oder auch im privaten Umfeld Vorbilder. Wenn man ihnen zutraut, einen eine Zeit lang zu begleiten, sollte man sie ansprechen”, sagt Heike Hein. Gemeinsam könne man dann die Rahmenbedingungen des Mentorings vereinbaren.
Ein anderer Weg zum Mentoring führt über organisierte Programme, die beispielsweise von Hochschulen, Vereinen, Netzwerken und Weiterbildungsträgern durchgeführt werden. Hier werden die Mentee und Mentorin durch die Organisation ausgewählt und zusammengeführt. Außerdem wird der Prozess oft noch durch Seminare begleitet. Manche dieser Programme sind mit Kosten für die Teilnehmerinnen verbunden. “Oft sind Arbeitgeber aber auch bereit, solche Gebühren für ihre Angestellten zu übernehmen. Schließlich ist das Mentoring eine Art Weiterqualifizierung”, sagt Mahler Walther. Manche Firmen nehmen auch an einer Cross-Mentoring-Kooperation teil, in deren Rahmen verschiedene Unternehmen firmenübergreifende Mentoring-Tandems bilden.
Ein Mentoring-Programm ist meist zeitlich begrenzt und läuft ungefähr ein Jahr lang. “Das ist wichtig, damit man seine Ziele nicht aus den Augen verliert”, sagt Mahler Walther. Am Anfang sollte die Mentee überlegen, an welchen Punkten sie während der Zeit mit der Mentorin arbeiten möchte. Außerdem sollte man gemeinsam vereinbaren, wie häufig man sich zu Gesprächen und zu sogenannten Shadowing-Terminen, bei denen die Mentee die Mentorin bei ihrer Arbeit begleitet, treffen möchte.
“Wichtig ist, dass auch jedes Treffen ein Ziel hat, das man zu Beginn gemeinsam definiert”, sagt Heike Hein. Habe man beispielsweise in der vergangenen Woche ein konkretes Problem bei einer Präsentation gehabt, könne man dies gemeinsam besprechen. Manchmal könne die Mentorin auch Bücher oder Seminare empfehlen, die ihrer Mentee bei ihrer Entwicklung weiterhelfen könnten. “Mir ist am Ende so eines Treffens außerdem immer wichtig, dass beide Seiten ein Feedback bekommen, sowohl die Mentee als auch ich”, sagt Hein.
Nach dem Ende der Mentoring-Phase halten Mentorin und Mentee meist weiter Kontakt. “Wenn man einmal dieses Vertrauen und diese Nähe aufgebaut hat, trägt diese Beziehung auch weiterhin”, sagt Mahler Walther. Oft balanciere sich das Verhältnis zwischen den beiden Frauen dann insofern aus, als auch die Mentorin sich im Laufe der Zeit ratsuchend an die Mentee wenden könnte.
Quelle: ddp Deutscher Depeschendienst GmbH, www.ddp.de
veröffentlichtz.B.: Göttinger Tageblatt – EAF – Hannoversche Allgemeine
